5.Mai – Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung 2020

Jacky hilft Lisa und bringt ihr einen Schuh

Dank Corona sind wir nicht zum Demonstrieren auf die Straße gegangen, stattdessen sind wir ins Internet! Die Organisation AbilityWatch hat ein Riesenprogramm auf die “Beine” gestellt (www.maiprotest.de). Der Interessenverband ISL, bei dem der Verein Lichtblicke e.V. Mitglied ist, hat uns informiert und Livia, Lisa und Baulo haben sich zusammengetan und einen Text über Assistenzhunde, was sie sind und auf welche Hindernisse die AssistenzhundeführerInnen stoßen, geschrieben. Lisa und Jacky haben sich dann vor die Kamera gesetzt und daraus ein Video produziert, dies haben wir AbilityWatch zur Verfügung gestellt.

Den Text des Videos können Sie im Folgenden lesen.

 

Hallo zusammen,

mein Name ist Lisa Ophüls, neben mir sitzt Jacky, mein Assistenzhund.

Ich bin Mitglied in dem gemeinnützigen Verein Lichtblicke e.V., einer Selbsthilfeorganisation und Interessenvertretung für AssistenzhundehalterInnen und freue mich, Ihnen etwas über Assistenzhunde, ihre Fähigkeiten und einige Einsatzgebiete zu erzählen. Ich will Ihnen jedoch auch über die Schwierigkeiten berichten, denen solch ein Team aus behindertem Menschen und seinem Assistenzhund begegnet und wie wir vom Verein Lichtblicke hier helfen.

 

Doch was ist ein Assistenzhund überhaupt?

Ein Assistenzhund ist ein Hund, der spezifische Hilfeleistungen erbringt, um die Behinderung seines Besitzers auszugleichen und diesem ein weitgehend selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Er lebt ständig mit seinem Menschen zusammen. Assistenzhunde haben verschiedene Einsatzgebiete.

Der Servicehund zum Beispiel kann Türen für Rollstuhlfahrer öffnen, Dinge bringen, aufheben, beim An- und Ausziehen helfen und überhaupt sehr viele Serviceleistungen erbringen.

Der Blindenführhund führt seinen Blinden oder stark sehbehinderten Menschen sicher in bekannter und unbekannter Umgebung, dies gibt dem Blinden enorme Freiheit.

Die Signalhunde können ihrem Halter äußere Reize melden, z. B. das Klingeln des Telefons für den Hörgeschädigten, sie können aber auch trainiert werden das Vorhandensein von allergieauslösenden Stoffen für Allergiker anzuzeigen, sodass diese sich schützen können.

Als Signalhunde bezeichnet man auch diejenigen, die Veränderungen im Stoffwechsel, in der Körperhaltung, dem Körpergeruch wahrnehmen und melden. Sie helfen unter anderem Menschen mit Diabetes, mit neurologischen und psychischen Störungen, wie Epilepsie, Narkolepsie, Autismus, Angststörungen, Dissoziationen. Ich kenne eine junge Frau mit Autismus, der ihr Assistenzhund hilft, alleine einkaufen zu gehen. Das ist ein enormer Gewinn an Lebensqualität für sie.

Ein wichtiges Einsatzgebiet der Hunde ist bei Menschen mit posttraumatischer Belastungsstörung, hier warnen sie die Betroffenen vor einem Anfall, zeigen kritische Situationen rechtzeitig an und führen ihren Menschen aus der Situation. Dazu kommen noch die emotionale Unterstützung und Sicherheit, die diese Assistenzhunde ihren Haltern geben.

Allen Assistenzhunden gemeinsam ist, dass sie ihrem Menschen helfen selbstbestimmt am Leben teil zu nehmen und weitgehend von menschlichen Helfern unabhängig zu sein, andererseits bilden sie oft eine Brücke zu den anderen Menschen, wirken also gegen Vereinsamung.

 

Wie wird ein Assistenzhund ausgebildet?

Die Ausbildung ist sehr zeitaufwändig, da der Hund zusätzlich zu den normalen Fertigkeiten jene Hilfeleistungen erlernen muss, die genau zu dem Bedarf des Menschen mit Behinderung passen. Und dann müssen Hund und Mensch erst lernen als Team zusammen zu arbeiten. Deshalb dauert die Ausbildung oft über zwei Jahre und ist sehr teuer.

 

Und hier kommen wir leider auch zu den Schwierigkeiten:

Es gibt in Deutschland keine staatliche Assistenzhundeprüfung. Das führt leider dazu, dass Menschen mit Behinderung oft sehr viel Geld für einen unzureichend ausgebildeten, kranken oder überforderten Assistenzhund bezahlen, der dann keine Unterstützung im Alltag bieten kann. Um diesen Missstand zu beenden, setzen sich in Deutschland viele Menschen für die Schaffung eines Assistenzhundegesetzes ein.

Das Gesetz soll dazu führen, dass alle Assistenzhunde von einer staatlichen Prüfstelle auf ihre wesensmäßige Eignung, ihre Gesundheit und ihren Trainingszustand überprüft werden. Außerdem soll das Gesetz klar aussagen, dass ein Assistenzhund ein medizinisches Hilfsmittel ist und somit auch überall mit hingenommen werden darf, genau so, wie ein Rollstuhl.

Denn an diesem Punkt stoßen die Assistenzhundehalter häufig auf Barrieren:

Stellen Sie sich vor, Sie sind z. B. Epileptiker, Sie haben einen wunderbaren Hund, der Ihnen schon zuverlässig mehrere Anfälle im Voraus angezeigt hat, sodass es für Sie glimpflich ablief. Sie müssen zum Arzt oder zum Einkaufen oder wollen vielleicht ins Theater und am Eingang heißt es: Nein, den Hund müssen Sie draußen lassen! Das passiert immer wieder, weil wir in Deutschland kein Assistenzhundegesetz haben, das unter anderem die Zutrittsrechte regelt. Trotz Antidiskriminierungsgesetz und der UN-Behindertenrechtskonvention, die Absätze zum Thema tierische Assistenz beinhaltet, kommt es in der Praxis immer wieder zu Problemen, weil Assistenzhundehaltern kein Zutritt mit ihrem Partner auf vier Pfoten gewährt wird.

Wird der Assistenzhund ausgeschlossen, wird damit auch sein Mensch ausgeschlossen und diskriminiert.

Dagegen engagieren wir uns vom Verein Lichtblicke auf mehreren Ebenen:

Wir helfen Betroffenen bei ihrem Kampf für Zutrittsberechtigungen, unterstützen diejenigen, die für ihr Recht auf Teilhabe vor Gericht ziehen, machen viel Öffentlichkeitsarbeit, um die Bevölkerung für die Existenz und die Aufgaben von Assistenzhunden zu sensibilisieren und vor allem: Wir arbeiten intensiv an dem Assistenzhundegesetz mit, damit dieses Gesetz nicht nur in dieser Legislaturperiode kommt, sondern auch die Bedürfnisse der Assistenzhunde und der Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung bestmöglich berücksichtigt werden.

Auch wenn die Corona Krise vieles in den Hintergrund gedrängt hat, möchte ich heute dazu aufrufen, die Belange der Assistenzhundehalter in Deutschland nicht zu vergessen. Wir warten schon lange auf dieses Gesetz und benötigen es dringend, um unnötiges Tier- und Menschenleid zu vermeiden und für uns und alle Beteiligten Rechtssicherheit zu schaffen.

Für mehr Informationen über Assistenzhunde und die Arbeit des Vereins Lichtblicke schauen Sie auf unsere Webseite

www.lichtblicke-verein.de

DANKE